KONTAKT

Forschungsinstitut Brenner-Archiv
Universität Innsbruck
Josef-Hirn-Str. 5
A - 6020 Innsbruck
E-Mail: Brenner-Archiv@uibk.ac.at

 

Dr. Georg Ott

Ehrensenator der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Langholzweg 12

D-88212 Ravensburg

E-Mail: georg.ott.ravensburg@t-online.de

Dichter in der Familie Kapferer-Greinz

 

Rudolf Greinz hat sich schon frühzeitig als freier Schriftsteller selbständig gemacht und an verschiedenen Orten gewohnt und gearbeitet. Gleichwohl blieb er mit seinen Eltern und den vier Geschwistern sowie der weiteren Verwandtschaft, insbesondere mütterlicherseits, in engem und regem schriftlichem Kontakt. Das belegen zahlreiche Karten und Briefe, die man sich innerhalb der Kapferer-Greinz-Familien schrieb. Auffällig ist für die heutige Zeit, dass der Vater Anton de Padua Greinz (1838- 1902) seine Schreiben stets und nur mit seinem Nachnamen unterzeichnet hat. Maria Greinz geb. Kapferer (1844-1894) schloss ihre Grüsse an den Sohn Rudolf immer mit „Deine Dich liebende Mutter“. Die Korrespondenz mit seinen Eltern wie auch die mit seinen Geschwistern, insbesondere den drei Brüdern Richard, Hugo und Hermann füllt jeweils einen Leitz-Ordner.

Die dichterische Begabung von Rudolf Greinz und seiner Brüder dürfte mütterliches vererbt worden sein, also von der Seite Kapferer stammen.

 

Josef August Kapferer, ein Bruder der Mutter von R. H. Greinz, hat altes Tiroler Liedgut gesammelt, manches Schnadahüpfl verfasst und einige Erzählungen veröffentlicht. Die verdienstvollen Sammlungen Kapferers sind zum größten Teil noch vorhanden. Es gibt sogar ein gebundenes Exemplar mit handgeschriebenen Texten. Weitere Originale wurden der Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum vermacht. Eine große Anzahl dieser Schätze sind im Druck erschienen; herausgegeben hat sie R. H. Greinz gemeinsam mit J. A. Kapferer (vgl. unter Archiv: Greinz als Herausgeber). Von der Zusammenarbeit beider zeugt eine reiche Korrespondenz, die ebenfalls erhalten ist.

 

Johannes Engensteiner (+1919) gehört nicht in die Greinz´sche Verwandtschaft, war aber mit J. A. Kapferer verschwägert. Engensteiner hatte nämlich Amalie (Mali) Kapferer geheiratet, eine Schwester der Maria Greinz geb. Kapferer, war also ein angeheirateter Onkel von R. H. Greinz. Auf Grund seiner Verbindungen zu zeitgenössischen Dichtern hatte Engensteiner einen guten Namen in der Tiroler Literatur. In einem Zeitungs-Nachruf heißt es, dass der als Gymnasiallehrer tätige Engensteiner „ein geradezu ungeheures Wissen auf dem Gebiete der deutschen Literatur“ hatte. Selbst hat er nur wenig veröffentlicht. Bemerkenswert ist ein Aufsatz über Tiroler Mundartdichtung und eine Biographie für den Tiroler Dichter Anton von Schullern, dessen Nachlass Engensteiner geordnet hat. Seinen Neffen Rudolf hat er dem damals angesehenen Münchener Schriftsteller Martin Greif bekannt gemacht, der den jungen Greinz gefördert und an dessen Laufbahn regen Anteil genommen hat. Engensteiner nutzte seine Kontakte auch dazu, eine bedeutende, nach seinem Tode leider verstreute und damit verloren gegangene Bibliothek, aufzubauen.

 

Alle vier Söhne des Anton und der Maria Greinz, Rudolf, Richard, Hugo und Hermann waren dichterisch veranlagt, in diesem Metier aber unterschiedlich tätig. Drei von ihnen hatten sich schon zu Lebzeiten einen Namen als Schriftsteller gemacht, was für eine Familie sicher bemerkenswert ist. Mit Ausnahme von Rudolf haben alle Brüder Jurisprudenz studiert - nicht ganz freiwillig. So bekannte Hugo kurz vor seinem Examen, er sei „froh, wenn das verwünschte Jus endlich einmal ein Ende nehmen wird.“ Hugo hat sich auch keinem juristischen Beruf zugewandt, sondern ist den schon zur Studienzeit eingeschlagenen Weg zur schreibenden Zunft gegangen. Resigniert erklärte Hermann Greinz bereits vor der Matura, dass er sich „dem unvermeidlichen Jus fügen“ müsse. Später entschied er sich doch für die richterliche Laufbahn, obwohl er  gleich seinen Brüdern schon früh literarisch tätig war.

 

Offensichtlich ohne Klagen verschrieb sich Richard Greinz (  - 1939) als einziger der Brüder von Anfang an der Juristerei und beendete seine Laufbahn als Oberstaatsanwalt in Salzburg. Auch er hatte in frühen Jahren seiner Berufstätigkeit verschiedene Feuilletons geschrieben. In der Zeitschrift „Fliegende und Meggendorfer Blätter“ veröffentlichte er gelegentlich Witze, was „sich recht gut rentiert hat.“ Von Richard Greinz ist eine literarische Kuriosität zu vermerken: er hat eine stenographische Zeitschrift herausgebracht, in der u. a. Geschichten seines Bruders Rudolf in Stenographie erschienen sind.

 

Der jüngste der Greinz-Brüder, Hermann (1879 - 1938), hat als Richter Karriere gemacht. Nach zeitbedingtem schwierigem Beginn arbeitete er an verschiedenen Bezirksgerichten, so in Bruneck, Innsbruck, Riva, Reutte, Welsberg, ehe er 1924 an das Landesgericht Innsbruck berufen wurde. Dort avancierte er zum Oberlandesgerichtsrat und wurde im Jahre 1938 zum Präsidenten des Oberlandesgerichts für Salzburg, Tirol und Vorarlberg ernannt. Praktisch mit Übernahme dieser Stelle ist er im Alter von gerade 59 Jahren verstorben.

Schon frühzeitig und später neben seinem Beruf hat sich Hermann Greinz schriftstellerisch betätigt. Er schrieb für verschiedene Zeitungen, z. B. für „Der Scherer“, „Tiroler Wastl“, „Muskete“, „Der Guckkasten“, „Föhn“ und „Der Kyffhäuser“. Wie seine Brüder Rudolf und Hugo unterhielt er mit vielen Persönlichkeiten aus dem literarischen Leben Kontakt, u. a. zu von Ficker, Ludwig von Hörmann, Jenny, Kranewitter, Pichler, Schönherr, Wallpach. Als Schriftsteller widmete er sich historischen Themen; bekannt wurde sein Werk über Tirol im Jahre 1809. Teil-Nachlässe sind in der Österreichischen Nationalbibliothek und im Brenner-Archiv erhalten.

 

Bedeutender für die österreichische Literatur wurde der Bruder Hugo (1873 - 1946), der zunächst journalistisch tätig war. Bereits im Alter von 26 Jahren hatte er die Zeitschrift „Der Kyffhäuser“ gegründet. Zuvor und des weiteren nebenher arbeitete er als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen, so für die „Linzer Montagspost“ und das „Tiroler Tagblatt“, ab 1902 für die neugegründete Wiener „Zeit“, dann für die ebenfalls in Wien erscheinende „Ostdeutsche Rundschau“. Während des ersten Weltkriegs war er Schriftleiter der „Belgrader Nachrichten“. Später arbeitete er für das „Salzburger Volksblatt“ und nochmals in Wien für die „Volkszeitung“.

In seiner Funktion als Redakteur hielt er Verbindung zur damaligen literarischen Welt, korrespondierte u.a. mit Hermann Bahr, Josef Weinheber und Stefan Zweig. Zusammen mit Rudolf Chr. Jenny, Franz Kranewitter, Heinrich von Schullern, Arthur von Wallpach, seinem Bruder Hermann und anderen zählte Hugo Greinz zu den „Jungtirolern“.

Als Schriftsteller verfasste er mehrere Novellen, die er unter den Titeln „Küsse“ und „Die Unvermählten“ herausgab. Ein in jungen Jahren über Detlev von Liliencron veröffentlichtes Feuilleton erschien bei Schuster und Löffler, Berlin, als Sonderdruck in einer Auflage von 10.000 Stück. Zum Tiroler Almanach 1926 schrieb er ein ausführliches Vorwort. Daneben hat er sich mit der Herausgabe von Werken anderer Dichter und mit der Übersetzung von Ibsens Dramen beschäftigt.

Durch eigene Anschaffungen und mit einem Teil des bedeutenden Buchbestands seines Onkels Johannes Engensteiner hat Hugo Greinz eine umfangreiche Bibliothek aufgebaut. In einer Würdigung zum 60. Geburttag heißt es dazu, dass er „im Laufe der Jahre Regal an Regal seiner großen Büchersammlung gereiht hat.“ Soweit seine Bibliothek nicht den Bomben zum Opfer gefallen ist, wurde sie leider aufgelöst.

 

Einen Teil seines wertvollen, während des Krieges in Salzburg untergestellten Nachlasses hat das Brenner-Archiv erwerben können. Ein weiterer Teil liegt in der Österreichischen Nationalbibliothek.

 

Die beiden Brüder Rudolf und Hugo beschritten verschiedene literarische Wege. So bedauerte Hugo, seinen Bruder nicht für die Jung-Tiroler erwärmen zu können und schrieb ihm auf einer Karte vom 26. August 1898: „So leid es mir und Schullern tut, Dich in unserem Kreise nicht vertreten zu wissen, muß ich allerdings die Stichhaltigkeit Deiner Gründe voll anerkennen. Halb voraussehen konnte ich sie ja. – Also nichts für ungut.“ Da es bei ihren Werken, Editionen, Mitgliedschaften in Verbänden u. a. wiederholt zu Verwechslungen gekommen ist, sahen sich die Brüder des öfteren zu Richtigstellungen veranlasst. Dies hat nicht nur ihre familiären Beziehungen belastet, sondern auch das ursprünglich sehr kollegiale Verhältnis abgekühlt.

 

Gedruckte Arbeiten von Richard, Hugo und Hermann Greinz sowie Besprechungen dieser Werke sind teils im Greinz-Archiv vorhanden.

 

Hugo Greinz

Hermann Greinz

Richard Greinz