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Forschungsinstitut Brenner-Archiv
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Dr. Georg Ott

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Sie gehören im wesentlichen zu den frühen Arbeiten von Greinz. Die vielen Marterln hat er teils gesammelt, teils selbst gedichtet und seine sowie die von seinem Onkel J. A. Kapferer zusammen getragenen und verfassten im Verlag Liebeskind, Leipzig, herausgegeben. Die späteren, meist zeitgeschichtlichen und satirischen Marterln sind meist in der „Jugend“, aber auch in anderen Zeitschriften, zum Teil in Buchform erschienen. Freilich sind die markanten Titel „Hin ist hin“ und „Die eiserne Faust“ (mit seinem durch den ersten Weltkriegs bestimmten Inhalt) längst vergriffen. Gleiches gilt für die bereits im Staackmann Verlag, Leipzig, von Greinz „zu Nutz und Frommen der verehrlichen Zeitgenossen“, herausgegebenen  „Marterln und Votivtafeln des Tuifelemalers Kassian Kluibenschädel“ (einem Pseudonym des Tiroler Dichters).

Marterln, Votivtafeln, Gedichte

Weniger bekannt sind die zahlreichen Gedichte von Greinz. Das liegt daran, dass viele nur handschriftlich abgesetzt, manche auf besondere Bitten für bestimmte und einmalige Anlässe verfasst wurde, vieles von beiden auch untergegangen ist. Der Dichter hat kleinere Verse  immer wieder in seine Tiroler Geschichten eingestreut oder an deren Beginn gesetzt. Oft lässt sich daraus die Liebe zu seiner Heimat Tirol verspüren, an der er wohl mehr hing, als er es selbst wahr haben wollte.

Eine Sonderstellung nimmt das Gedicht über das russische Kriegsschiff „Warjag“ ein. Dies mit deshalb, weil es nach über 110 Jahren wieder ins Bewusstsein gerückt ist - dank russischer Marine-Offiziere. Greinz hatte das Werk im Jahre 1903 auf Bitte des damaligen Chefredakteurs der „Jugend“ und aus Anlass des Untergangs des „Warjag“ verfasst. In einem Beitrag anlässlich seines 60. Geburtstags erinnerte er sich an „das seltsame Schicksal eines Gedichts.“ Greinz, der  zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der Hauptmitarbeiter in der Redaktion war, schildert darin, wie er vom damaligen Chef Dr. Sinzheiner empfangen wurde:

 

     „Lieber Greinz, Sie müssen uns bis morgen ein gutes Gedicht auf den Untergang des

      >Warjag< machen.“

 

Abends war Greinz, wie er schreibt,  in  

 

     „fideler Gesellschaft, die sich erst sehr früh trennte. Ich landete gegen vier Uhr früh auf

      meiner Münchener Bude, übrigens vollkommen nüchtern. Von dem Gedicht … noch

      keine Spur.“ Im Bett liegend wartete er „auf die Inspiration, die mich auch nicht im Stich

      ließ. In kürzester Zeit stenographierte ich dann auf einem Blättchen Papier mit der

      Unterlage eines schwedischen Zündhölzchen-Schachterls mein Gedicht, … drehte mich

      um und schlief herrlich. Morgens erwacht, schrieb ich das Gedicht ins Reine und brachte

      es in die Redaktion …“ Das anschließend  in der „Jugend“ veröffentlichte Gedicht

     „erweckte in Russland einen wahren Sturm der Begeisterung … wurde mehrfach ins

      Russische übersetzt und … als Marsch komponiert.“

    

Die von Greinz beschriebene Begeisterung hat bis heute angehalten. Denn die russischen Matrosen singen in Erinnerung an die damaligen Helden nach wie vor das Lied aus voller Kehle. Seit Jahren haben einige Marine-Offiziere nach dem Autor Greinz und Nachkommen des Dichters gesucht, um dessen Grab ausfindig zu machen. Über das Internet sind sie schließlich auf das Greinz-Archiv gestoßen.

Gemeinsam wurde am 75. Todestag des Autors an der Friedhofsmauer in Ampass eine Gedenktafel enthüllt, auf welcher die erste Strophe des Gedichts vom Untergang des „Warjag“  zu lesen ist:

Eine eigene Spezies sind die Schnadahüpfln, die er und sein Onkel J. A. Kapferer gesammelt und gemeinsam unter dem Titel “Tiroler Schnadahüpfln“ veröffentlicht haben. Für die in Brakl´s Rubinverlag erschienenen „Schlierseer Schnadahüpfln“ zeichnete Greinz allein  verantwortlich.