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Rudolf Heinrich Greinz (1866-1942)

Über Leben und Werk des Tiroler Schriftstellers Rudolf Greinz ist viel veröffentlicht worden. Seine wichtigsten Lebensdaten sind in den einschlägigen Literatur-Lexika nachzulesen:

 

Rudolf Heinrich ist am 16. August 1866 als erstes von fünf Kindern der Eheleute Anton und Maria Greinz geb. Kapferer in Pradl, damals noch ein Dorf östlich, heute ein Stadtteil von Innsbruck, heute der größte Stadtteil geboren. In diesem dörflichen Idyll erlebte er mit seiner Schwester Berta und den Brüdern Richard, Hugo und Hermann eine unbeschwerte Kindheit. Das ist einigen selbstbiographischen Beiträgen zu entnehmen. Nach Rudolfs ersten Schuljahren in Pradl und am Innsbrucker Gymnasium wurde sein Vater 1879 nach Salzburg versetzt. Am dortigen Staatsgymnasium schloss Rudolf Greinz im Jahre 1883 mit der Matura ab. Über seine Schulzeit hat er sich sehr früh belletristisch geäußert, u.a. mit dem „Abiturienten-Examen“, was seinen jüngeren Brüdern an der gleichen Schule nicht gerade von Vorteil war. Anschließend studierte er Germanistik, klassische Philologie und Kunstgeschichte an den Universitäten von Graz und Innsbruck. Krankheitsbedingt gab er das Studium und seinen Plan auf, die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen.

 

Zu seiner Genesung übersiedelte Greinz 1887 nach Meran, wo er sich schon bald literarisch betätigt hat. Er wurde in die damals existierende „Akademische Tafelrunde“ aufgenommen; die Statuten und ein Mitgliederverzeichnis dieses in der Stadt gesellschaftlich relevanten Vereins sind bei den biographischen Unterlagen im Greinz-Archiv erhalten. Von Meran aus suchte Greinz Kontakte zu Verlagen, Zeitungs-Redaktionen u.a. sowie zu Kollegen. So nahm er um das Jahr 1889 einen Briefwechsel mit dem berühmten, von ihm verehrten und geschätzten Schweizer Dichter Conrad Ferdinand Meyer auf. Dieser vermittelte ihn zu seinem eigenen Verleger Haessel in Leipzig. Wohl mit zum Dank dafür widmete Greinz seinen „Liederfrühling aus Tirol“ C. F. Meyer. Von herausragender Bedeutung für den freischaffenden Schriftsteller Greinz wurde dessen Bekanntschaft mit der Familie Ellmenreich. Sie verfügte über einen Verlag, besaß die Buchhandlung S. Poetzelberger und gab die „Meraner Zeitung“ heraus. Dort hat Greinz über Jahre hinweg zahlreiche Neuerscheinungen des Büchermarkts besprochen, ja teils eine literarische Beilage dieser Zeitung gefüllt. Zu dem im Herbst 1937 begangenen 75-jährigen Jubiläum der Firma stellte Greinz zur Freundschaft und Förderung durch die Familie Ellmenreich fest: „Was das für einen aufstrebenden jungen Autor bedeutet, das brauche ich wohl nicht näher zu erörtern.“

 

Über Meran, seine Umgebung und das dortige Geschehen veröffentlichte Greinz zahlreiche Beiträge. Auch verewigte er die südliche Stadt mehrfach in seinen Romanen. Am bekanntesten ist „Allerseelen“ geworden. Ebenfalls in Meran spielt „Der Garten Gottes“, den Greinz selbst einmal als sein liebstes Werk bezeichnet hat. In seinem Roman „Der Hirt von Zenoberg“ zeichnet Greinz ein von der üblichen Historie abweichendes Bild der sagenumwobenen Margarete Maultasch, der letzten Landesherrin Tirols. Und in dem ebenfalls frühen Werk „Vorfrühling der Liebe“ schreibt Greinz über so manches Schicksal alter Meraner Familien.

 

Von Meran aus unternahm der junge Dichter viele Reisen in den Süden, häufig nach Venedig, das in seinem dichterischen Werk ebenfalls eine besondere Rolle spielt, z.B. in dem Roman „Zauber des Südens“. Auch der Gardasee faszinierte ihn, wo er sich die ersten Male vor allem in Riva aufhielt. In das dortige Leben ist der Roman eingebettet. Später genoss er Gastrecht in der Villa „Zweisonnen“, Gardone. Dieses Dichterheim hatte Clara Staackmann, die Frau seines Verlegers Alfred Staackmann vom Münchener Schriftsteller Paul Heyse gekauft. Sie stellte es allen Verlags-Autoren „zum ungestörten und sorgenfreiem Aufenthalt“ zur Verfügung.

 

Ebenfalls schon von Meran aus, später auch von seinen weiteren Wohnsitzen, zog es ihn wiederholt, gelegentlich für mehrere Wochen, in das Unterinntal und nach Zell am Ziller. Auch diese Aufenthalte waren für sein dichterisches Schaffen bedeutsam, für seine ungestörte Arbeit wie für die Sujets, denen er sich gerade widmete.

 

In Meran lernte er seine Ehefrau, Zoe Basevi, kennen, die Tochter eines englischen Seeoffiziers, der ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen in die damalige Kurstadt gekommen war. Am 9. Oktober 1899 vermählte sich Greinz und wohnte von da an in der „Villa Zoe“. So hatte seine Frau die nahe zum Vintschschger Tor gelegene, ehemalige Villa Alpenrose nach dem Erwerb getauft. Später wohnten die Eheleute auf der Zenoburg, wo die Tochter Cornelia am 9. März 1902 geboren worden ist.

 

Bald darauf übersiedelte Greinz mit seiner Familie nach Innsbruck und lebte dort u.a. im „Fumagalli-Schlößchen“ im Pradler Saggen, einer vornehmen Villengegend der Stadt. Auch von dort aus unternahm er wieder viele Reisen an die bisherigen Ziele, neu und vermehrt nach München, wo er mit so bedeutenden Leuten wie Martin Greif, Georg Hirth, Fritz von Ostini u.a. in Verbindung stand.

 

Die Beziehungen Greinz´ zu seiner Geburtsstadt Innsbruck waren ambivalent. Zeitlebens beharrte er darauf, in Pradl geboren worden zu sein, weil er sich mit der Eingemeindung des Dorfes Pradl nach der Landshauptstadt nicht abfinden wollte. Seiner Heimatgemeinde hat er mit „Fridolin Kristallers Ehekarren“ ein liebenswertes Denkmal gesetzt. Dagegen hatte er Probleme mit dem damaligen Spießertum. Davon zeugen seine Romane „Die Stadt am Inn“, „Gordian der Tyrann“ sowie „Das Paradies der Philister“. Zugleich gelangt in diesen und anderen Werken zum Ausdruck, wie sehr er die Stadt mit seiner imponierenden Landschaft inmitten der Alpen doch schon immer geschätzt hat. Wegen des ambivalenten Verhältnisses von Greinz zu Innsbruck ist auf den demnächst in der Reihe „Zeit-Raum-Innsbruck“ erscheinenden Beitrag „Innsbruck und seine Rudolf Greinz“ Strasse sowie auf das Essay von Anton Unterkircher, abgedruckt in … zu verweisen.

 

Wohl wegen dieses zwiespältigen Verhältnisses zur Tiroler Landeshauptstadt bestimmte Greinz ab dem Jahre 1911 München zu seiner neuen Wirkungsstätte, behielt aber meist Innsbruck als seinen Zweit-Wohnsitz bei. Etwa ab der gleichen Zeit hat er seinen zweiten Vornamen Heinrich nicht mehr verwendet. Als Schriftsteller war Rudolf Greinz in München bald anerkannt und erfolgreich. Mit dem L. Staackmann Verlag, Leipzig, hatte er eine lebenslange Verbindung gefunden, wo von etwa 1912 an alle seine Werke erschienen sind. Dem späteren Inhaber des Verlags, Alfred Staackmann, war er als Freund und Berater verbunden. In letzterer Funktion folgte er Peter Rosegger, der dem Gründer und ersten Firmenchef Ludwig Staackmann zur Seite stand.

 

Noch vor dem frühen Tod seiner Ehefrau (4. Mai 1934) übersiedelte Greinz mit seiner Familie nach Tirol. Zusammen mit seiner Frau hatte er im Jahre 1926 den Ansitz Rosenegg in Aldrans, einem Dorf oberhalb von Innsbruck erworben, diesen aber nur zur Sommerfrische genützt. Nun diente die Villa als Hauptwohnsitz, wohin das gesamte Inventar verbracht wurde. In den Räumen der Villa, vor allem im ehemaligen Arbeitszimmer des Dichters, betreut dessen Enkel, Dr. Georg Ott, seit Jahren das Archiv. Neben der literarischen Tätigkeit von Greinz ist u. a. die Korrespondenz mit Verlagen und Persönlichkeiten seiner Zeit erfasst, darunter die mit seinen ebenfalls schriftstellerisch tätigen Brüdern und Onkeln (vgl. den Abschnitt über die Dichter in der Familie Kapferer-Greinz). Archiviert sind ferner die Arbeiten von Zoe Greinz, die einige Skizzen unter dem Pseudonym Elisabeth Strach veröffentlicht hat, dem Vor- und Familiennamen ihrer Mutter. In der Villa ist auch die umfangreiche Bibliothek des Dichters verwahrt.

 

Neben Rosenegg unterhielt Rudolf Greinz weiter seinen Zweitwohnung in Innsbruck. Dort ist er an seinem 76. Geburtstag (16. August 1942) gestorben. Auf dem idyllisch gelegenen Friedhof von Ampass, unweit von Pradl/Innsbruck und Aldrans, hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. Den schönen Platz an der Friedhofsmauer mit dem großartigen Blick in das von ihm so geliebte Unterinntal hatte er noch zu Lebzeiten für seine ihm voran gegangene Zoe und sich selbst bestimmt.

 

Rudolf Greinz hat sich frühzeitig als freier Schriftsteller selbständig gemacht und an verschiedenen Orten gewohnt und gearbeitet. Gleichwohl blieb er mit seinen Eltern und den vier Geschwistern sowie der weiteren Verwandtschaft, insbesondere mütterlicherseits, in engem und regem schriftlichem Kontakt. Das belegen zahlreiche Karten und Briefe, die man sich innerhalb der Kapferer-Greinz-Familien schrieb. Auffällig ist für die heutige Zeit, dass der Vater Anton de Padua Greinz (1838- 1902) seine Schreiben an den Sohn Rudolf stets und nur mit seinem Nachnamen unterzeichnet hat. Maria Greinz geb. Kapferer (1844-1894) schloss ihre Grüsse an den Sohn Rudolf immer mit „Deine Dich liebende Mutter“. Die Korrespondenz mit seinen Eltern wie auch die mit seinen Geschwistern, insbesondere den drei Brüdern Richard, Hugo und Hermann füllt jeweils einen Leitz-Ordner.

Rudolf Greinz mit Eltern und Geschwistern, v.l.n.r. Hugo, Hermann, Rudolf, Maria Greinz geb. Kapferer (Mutter), Berta, Richard, Anton Greinz (Vater)

Geburtshaus von Rudolf Greinz in Alt-Pradl, Nähe Lodronischer Hof

Dichterheim Zwei Sonnen in Gardone / Gardasee.

Familiengrab Rudolf Greinz in Ampass

1/2

Rudolf Greinz Strasse, Innsbruck, Strassenschilder ausgetauscht 2014

Zoe, Rudolf und Cornelia Greinz, ca. 1910

Dichter in der

Familie Kapferer-Greinz

 

Rudolf Greinz hat sich schon frühzeitig als freier Schriftsteller selbständig gemacht und an verschiedenen Orten gewohnt und gearbeitet. Gleichwohl blieb er mit seinen Eltern und den vier Geschwistern sowie der weiteren Verwandtschaft, insbesondere mütterlicherseits, in engem und regem schriftlichem Kontakt. Das belegen zahlreiche Karten und Briefe, die man sich innerhalb der Kapferer-Greinz-Familien schrieb. Auffällig ist für die heutige Zeit, dass der Vater Anton de Padua Greinz (1838- 1902) seine Schreiben stets und nur mit seinem Nachnamen unterzeichnet hat. Maria Greinz geb. Kapferer (1844-1894) schloss ihre Grüsse an den Sohn Rudolf immer mit „Deine Dich liebende Mutter“. Die Korrespondenz mit seinen Eltern wie auch die mit seinen Geschwistern, insbesondere den drei Brüdern Richard, Hugo und Hermann füllt jeweils einen Leitz-Ordner.

Die dichterische Begabung von Rudolf Greinz und seiner Brüder dürfte mütterliches vererbt worden sein, also von der Seite Kapferer stammen.

 

Josef August Kapferer, ein Bruder der Mutter von R. H. Greinz, hat altes Tiroler Liedgut gesammelt, manches Schnadahüpfl verfasst und einige Erzählungen veröffentlicht. Die verdienstvollen Sammlungen Kapferers sind zum größten Teil noch vorhanden. Es gibt sogar ein gebundenes Exemplar mit handgeschriebenen Texten. Weitere Originale wurden der Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum vermacht. Eine große Anzahl dieser Schätze sind im Druck erschienen; herausgegeben hat sie R. H. Greinz gemeinsam mit J. A. Kapferer (vgl. beim Abschnitt über das Archiv: Greinz als Herausgeber). Von der Zusammenarbeit beider zeugt eine reiche Korrespondenz, die ebenfalls erhalten ist und dem Tiroler Volksliedsarchiv überlassen worden ist..

 

Johannes Engensteiner (+1919) gehört nicht in die Greinz´sche Verwandtschaft, war aber mit J. A. Kapferer verschwägert. Engensteiner hatte nämlich Amalie (Mali) Kapferer geheiratet, eine Schwester der Maria Greinz geb. Kapferer, war also ein angeheirateter Onkel von R. H. Greinz. Auf Grund seiner Verbindungen zu zeitgenössischen Dichtern hatte Engensteiner einen guten Namen in der Tiroler Literatur. In einem Zeitungs-Nachruf heißt es, dass der als Gymnasiallehrer tätige Engensteiner „ein geradezu ungeheures Wissen auf dem Gebiete der deutschen Literatur“ hatte. Selbst hat er nur wenig veröffentlicht. Bemerkenswert ist ein Aufsatz über Tiroler Mundartdichtung und eine Biographie für den Tiroler Dichter Anton von Schullern, dessen Nachlass Engensteiner geordnet hat. Seinen Neffen Rudolf hat er dem damals angesehenen Münchener Schriftsteller Martin Greif bekannt gemacht, der den jungen Greinz gefördert und an dessen Laufbahn regen Anteil genommen hat. Engensteiner nutzte seine Kontakte auch dazu, eine bedeutende, nach seinem Tode leider verstreute und damit verloren gegangene Bibliothek, aufzubauen.

 

Alle vier Söhne des Anton und der Maria Greinz, Rudolf, Richard, Hugo und Hermann waren dichterisch veranlagt, in diesem Metier aber unterschiedlich tätig. Drei von ihnen hatten sich bereits zu Lebzeiten einen Namen als Schriftsteller gemacht, was für eine Familie sicher bemerkenswert ist. Mit Ausnahme von Rudolf haben alle Brüder Jurisprudenz studiert - nicht ganz freiwillig. So bekannte Hugo kurz vor seinem Examen, er sei „froh, wenn das verwünschte Jus endlich einmal ein Ende nehmen wird.“ Hugo hat sich auch keinem juristischen Beruf zugewandt, sondern ist den schon zur Studienzeit eingeschlagenen Weg zur schreibenden Zunft gegangen. Resigniert erklärte Hermann Greinz bereits vor der Matura, dass er sich „dem unvermeidlichen Jus fügen“ müsse. Später entschied er sich doch für die richterliche Laufbahn, obwohl er  gleich seinen Brüdern Hugo und Hermann schon früh literarisch tätig war.

 

Offensichtlich ohne Klagen verschrieb sich Richard Greinz (  - 1939) als einziger der Brüder von Anfang an der Juristerei und beendete seine Laufbahn als Oberstaatsanwalt in Salzburg. Auch er hatte in frühen Jahren seiner Berufstätigkeit verschiedene Feuilletons geschrieben. In der Zeitschrift „Fliegende und Meggendorfer Blätter“ veröffentlichte er gelegentlich Witze, was „sich recht gut rentiert hat.“ Von Richard Greinz ist eine literarische Kuriosität zu vermerken: er hat eine stenographische Zeitschrift herausgebracht, in der u. a. Geschichten seines Bruders Rudolf in Stenographie erschienen sind.

 

Der jüngste der Greinz-Brüder, Hermann (1879 - 1938), hat als Richter Karriere gemacht. Nach zeitbedingtem schwierigem Beginn arbeitete er an verschiedenen Bezirksgerichten, so in Bruneck, Innsbruck, Riva, Reutte, Welsberg, ehe er 1924 an das Landesgericht Innsbruck berufen wurde. Dort avancierte er zum Oberlandesgerichtsrat und wurde im Jahre 1938 zum Präsidenten des Oberlandesgerichts für Salzburg, Tirol und Vorarlberg ernannt. Praktisch mit Übernahme dieser Stelle ist er im Alter von gerade 59 Jahren verstorben. Frühzeitig und später neben seinem Beruf hat sich Hermann Greinz schriftstellerisch betätigt. Er schrieb für verschiedene Zeitungen, z. B. für „Der Scherer“, „Tiroler Wastl“, „Muskete“, „Der Guckkasten“, „Föhn“ und „Der Kyffhäuser“. Wie seine Brüder Rudolf und Hugo unterhielt er mit vielen Persönlichkeiten aus dem literarischen Leben Kontakt, u. a. zu von Ficker, Ludwig von Hörmann, Jenny, Kranewitter, Pichler, Schönherr, Wallpach. Als Schriftsteller widmete er sich historischen Themen; bekannt wurde sein Werk über Tirol im Jahre 1809. Teil-Nachlässe sind in der Österreichischen Nationalbibliothek und im Brenner-Archiv erhalten.

 

Bedeutender für die österreichische Literatur wurde der Bruder Hugo (1873 - 1946), der zunächst journalistisch tätig war. Bereits im Alter von 26 Jahren hatte er die Zeitschrift „Der Kyffhäuser“ gegründet. Zuvor und des weiteren nebenher arbeitete er als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen, so für die „Linzer Montagspost“ und das „Tiroler Tagblatt“, ab 1902 für die neugegründete Wiener „Zeit“, dann für die ebenfalls in Wien erscheinende „Ostdeutsche Rundschau“. Während des ersten Weltkriegs war er Schriftleiter der „Belgrader Nachrichten“. Später arbeitete er für das „Salzburger Volksblatt“ und nochmals in Wien für die „Volkszeitung“.

In seiner Funktion als Redakteur hielt er Verbindung zur damaligen literarischen Welt, korrespondierte u.a. mit Hermann Bahr, Josef Weinheber und Stefan Zweig. Zusammen mit Rudolf Chr. Jenny, Franz Kranewitter, Heinrich von Schullern, Arthur von Wallpach, seinem Bruder Hermann und anderen zählte Hugo Greinz zu den „Jungtirolern“.

Als Schriftsteller verfasste er mehrere Novellen, die er unter den Titeln „Küsse“ und „Die Unvermählten“ herausgab. Ein in jungen Jahren über Detlev von Liliencron veröffentlichtes Feuilleton erschien bei Schuster und Löffler, Berlin, als Sonderdruck in einer Auflage von 10.000 Stück. Zum Tiroler Almanach 1926 schrieb er ein ausführliches Vorwort. Daneben hat er sich mit der Herausgabe von Werken anderer Dichter und mit der Übersetzung von Ibsens Dramen beschäftigt.

Durch eigene Anschaffungen und mit einem Teil des bedeutenden Buchbestands seines Onkels Johannes Engensteiner hat Hugo Greinz eine umfangreiche Bibliothek aufgebaut. In einer Würdigung zum 60. Geburttag heißt es dazu, dass er „im Laufe der Jahre Regal an Regal seiner großen Büchersammlung gereiht hat.“ Soweit seine Bibliothek nicht den Bomben zum Opfer gefallen ist, wurde sie leider aufgelöst.

 

Einen Teil seines wertvollen, während des Krieges in Salzburg untergestellten Nachlasses hat das Brenner-Archiv erwerben können. Ein weiterer Teil liegt in der Österreichischen Nationalbibliothek.

 

Die beiden Brüder Rudolf und Hugo beschritten verschiedene literarische Wege. So bedauerte Hugo, seinen Bruder nicht für die Jung-Tiroler erwärmen zu können und schrieb ihm auf einer Karte vom 26. August 1898: „So leid es mir und Schullern tut, Dich in unserem Kreise nicht vertreten zu wissen, muß ich allerdings die Stichhaltigkeit Deiner Gründe voll anerkennen. Halb voraussehen konnte ich sie ja. – Also nichts für ungut.“ Da es bei ihren Werken, Editionen, Mitgliedschaften in Verbänden u. a. wiederholt zu Verwechslungen gekommen ist, sahen sich die Brüder des öfteren zu Richtigstellungen veranlasst. Dies hat nicht nur ihre familiären Beziehungen belastet, sondern auch das ursprünglich sehr kollegiale Verhältnis abgekühlt.

 

Gedruckte Arbeiten von Richard, Hugo und Hermann Greinz sowie Besprechungen dieser Werke sind teils im Greinz-Archiv vorhanden.

 

Hugo Greinz

Richard Greinz

Hermann Greinz

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